Donnerstag, 17. August 2017

Mathedesaster (aus 2009 - Poetry Slam)

Der Tag hatte schon scheiße angefangen, 
verschlafen und Bus verpasst, ich bin fast an die Decke gegangen.
Dritte Stunde, ich sitze in der Klasse,
wir haben Mathe. Das Fach, das ich mehr als alles andere hasse.
Meine Laune sitzt tief unten im Keller,
dann kommt unser Lehrer, dieser theatralische Einzeller.
Nach der Begrüßung geht er an die Tafel,
schreibt irgendwas an, ich hör nur noch Geschwafel.
Ich hör nicht zu, ich kann’s ja eh nicht,
Ich seh‘ aus dem Fenster „Oh schöne Aussicht!“


Drei Wochen später, nun sitz‘ ich hier,
Da quatscht der Matheheini: „90 Minuten habt Ihr!“
Das Blatt wird ausgeteilt, und ich werde ein bisschen flatterig,
meine Hände sind leicht schwitzig und mir ist irgendwie schummerig.
Der Lehrer geht rum, sieht jedem ins Gesicht,
als er mich ansah dachte er bestimmt: „HA HA HA, du kannst es nicht!“
Er steht wieder vorne, vor mir das weiße Papier,
Oh, Gott, ich will nen Schnaps oder wenigstens ein Bier!
Ich fühl mich, wie kurz vor einem Marathonlauf für Beinamputierte,
oder wie nach einem Stromschlag, der mich paralysierte.
Ich dreh‘ das Blatt um und seh‘ Unmengen von Zahlen,
ich seh gequält zum Lehrer und er fängt an mich anzustrahlen.
Zurück auf meinem Zettel, erwarten mich Zeichen die ich nicht verstehe,
in Gedanken knie ich nieder, sie sehen wie ich um Gnade flehe.
Doch diese Horrorzahlen lachen mich nur schelmisch aus,
erst die Matrizen, dann die Formeln von Gauß.
Zurück in der Realität sieht mich nur einer schelmisch an,
der Lehrer, aber was soll ich tun, wenn ich es nicht kann?
Mein Zettel ist immer noch leer,
und die der anderen füllen sich immer mehr.
Mein Fuß fängt an auf dem Boden zu tippen,
der Bleistift, auf meinem Finger zu wippen.
„Ihr habt noch 45 Minuten!“,
innerlich fange ich an zu bluten.
Ich fange an, in Panik zu verfallen,
atme hektisch, guck umher, 
„Oh, mein Gott ich schaff’s nicht mehr.“
Voller Angst und Panik fang ich an, irgendwas aufzuschreiben,
mit zitterigen Händen versuche ich bei der Sache zu bleiben.
In meinen Taschenrechner klopp ich wie eine Geisteskranke,
alles dreht sich um diese Zahlen jeder Moment, jeder Gedanke.
Ich denk nicht nach, mach irgendwas,
summiere oder subtrahiere dies und das.
„Noch 10 Minuten!“ gröhlt der Heini am Pult,
ich bin fast fertig, wenn ich`s nicht schaffe, bin ich selbst Schuld.
Die Panik verfliegt, ich will nur noch fertig werden,
geb ich den Zettel ab, ist das der Himmel auf Erden.
„Abgeben!“ ist das letzte Wort,
alle gehen nach vorne und geben ihre Zettel fort.
Ich geb auf, es ist zu spät,
der Quatsch auf meinem Zettel hat noch nicht mal Viererqualität.
Ich geh nach vorn, leg meinen Zettel auf das Lehrerpult,
ich schwör mir, nie wieder so ein Tumult.
In Zukunft will ich für sowas wenigstens ein bisschen vorbereitet sein,
deswegen mach ich mir nen Spickzettel: Richtig süß und klein.



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© Dia Nigrew/Claudia Wergin

Montag, 14. August 2017

Lieblos (Part 2)

Hier geht es zu Part 1 :-)

Die Zeit schien zu rennen, während Annabelle die meiste Zeit einfach nur da saß und die Schatulle ihrer Schwester in ihren Händen drehte.
Sie blinzelte und aus Tag wurde Nacht oder umgedreht. Sie aß und schlief nicht, konnte es auch gar nicht. Sie fragte sich die ganze Zeit, was mit ihrer Schwester passiert ist. Sie traute dem alten Bären alles zu. Dass sie einfach weggebracht wurde, glaubte sie ihm nicht.
Seitdem Tag an dem ihre Schwester fort gebracht wurde, hatte sie ihren Vater nicht mehr gesehen. Zwischenzeitlich war er wohl auf einer kurzen Geschäftsreise, aber wusste es nicht genau. Normalerweise hätte sie das stutzig werden lassen, denn normalerweise ließ der alte Bär sie nie so lange unbeaufsichtigt. Aber Annabelle war so mit ihrer Trauer beschäftigt, dass es ihr schlichtweg einfach nicht auffiel.

Nach eineinhalb Wochen kamen zwei Bedienstete mit dem alten Bär in Annabelles Zimmer. Die zwei Frauen trugen schwarze Kleider und hatten die Haare streng nach hinten gebunden. Ihre Blicke waren gesenkt, aber nicht vor Angst.
»Du wirst jetzt mit diesem Quatsch aufhören.«, brummte der Bär und starrte sie wütend an.
Annabelle sah auf. Sie war müde, so müde. Aber wie man schläft, hatte sie verlernt.
»Diese beiden Damen werden dir wieder Benehmen beibringen. Sie werden die nächsten zwei Wochen rund um die Uhr bei dir sein, damit du mich nicht blamieren wirst.«
»Blamieren?«, krächzte Annabelle, denn sie sprach seit der Abreise ihrer Schwester nicht mehr. Es klang so, als seien ihre Stimmbänder eingerostet. »Was ist in zwei Wochen?«, fragte sie und räusperte sich.
Der Bär grinste und seine Augenbrauen verengten sich. »Du wirst deinen Verlobten kennenlernen.«
Annabelle stockte der Atem und sie ließ die Schatulle fallen.
»Sieh mich gefälligst nicht so an. Du bist alt genug. Außerdem warnte ich dich bereits: Ich sorge dafür, dass aus dir was wird. Und was anderes soll das sein, als eine gute Ehefrau!? Die beiden Damen werden dir alles nötige beibringen und du strengst dich gefälligst an, damit du unseren guten Namen nicht besudelst!«
»Das kannst du nicht machen.«, flüsterte Annabelle schockiert.
»Wie war das!?«, er kochte. Annabelle starrte ihn nur an, voller Schock und Unglaube. Sie hielt 
seinem Blick stand und das brachte das Fass zum überlaufen. Der Bär ging auf sie zu und gab ihr eine kräftige Backpfeife. Sie blieb sitzen, aber der Atem stockte ihr. In ihrem Magen machte sich ein Druck breit und sie sah weiße Punkte.
»Wag es nicht mir Widerworte zu geben!«, schrie er in ihr Ohr und ging hinaus.
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"Der alte Bär"
(Original: John Singer Sargent)
Sie war wie erstarrt und konnte sich nicht bewegen. Die zwei Frauen in schwarz gingen auf sie zu und hoben sie hoch. Grob zogen sie sie durch ihr Zimmer und rissen ihr die Kleider vom Leib. Danach setzten sie sie in ihre Wanne und holten heißes Wasser. Es war viel zu heiß und brannte Annabelle auf der Haut, aber das interessierte die zwei Kammerdienerinnen nicht. Sie wuschen und schrubbten Annabelle. Und sie ließ es geschehen. Sie konnte sich nicht wehren. Zum einen, weil sie keine Kraft im Leib hatte und zum anderen, weil die beiden Frauen die Überhand hatten.
Wann war sie das letzte Mal gebadet worden? Sie überlegte. Es muss als Kind gewesen sein, kurz bevor ihre Mutter verschwand. Danach hatte das ihre große Schwester noch eine Zeit lang gemacht, aber auch nicht lang. Annabelle wollte es nicht mehr. Sofie war immer sehr sanft und behände gewesen. Das Wasser war immer lauwarm und die Seifenblasen füllten die Wanne mehr, als das Wasser.
Die zwei Kammerdienerinnen waren kräftig und bestimmt, sagten kein Wort. Sie taten nur, wie ihnen geheißen. Sie taten, was der alte Bär von ihnen wollte.
Nachdem Annabelle "sauber" war und halb verbrüht aus der Wanne stieg, konnte sie kaum stehen. Ihre Beine und Arme fühlten sich geschwollen an. Sie konnte kaum laufen und stolperte. Das war den beiden Frauen aber egal, sie zogen Annabelle über den Boden und setzten sie nackt auf einen Schemel neben der Wanne. Ihre Haare wurden gebürstet und unzählige währenddessen rausgerissen. Doch Annabelle ertrug es. Sie saß da, starrte in die Leere und hatte tausend Gedanken im Kopf während sie eigentlich gerade nicht denken konnte.
Danach wurde sie angezogen und in den Speisesaal gebracht, wo ihr Vater bereits ungeduldig wartete. Sie platzierten Annebelle auf dem Stuhl gegenüber ihres Vaters. Dort, wo ihre Mutter einst immer saß.
Die beiden Kammerdienerinnen verneigten sich vor dem alten Bären und gingen hinaus.
Annabelle schluckte, konnte den Blick ihres Vaters nicht meiden. Also hielt sie ihm stand und starrte ihm direkt in die Augen. Er hasste das. Für ihn war dies ein Zeichen von Trotz und mangelndem Respekt. Doch sie starrte ihn weiter an und vergaß dabei fast zu blinzeln.
»Deine Entwicklung seit der Abreise deiner Halbschwester gefällt mir nicht.«, begann der Bär. »Ich werde dir wieder beibringen, wie du dich als meine Tochter zu verhalten hast. Das scheinst du vergessen zu haben. Und so was dulde ich in meinem Haus nicht.«
Annabelle schnaubte.
»Was war das!?«, fragte der Bär und stand auf.
»Benehmen? Was habe ich denn falsch gemacht? Du hast mir meine Mutter genommen, du hast mir meine Schwester genommen. Du hast mich seit ihrer Abreise nicht einmal gesehen, denn ich interessiere dich doch eigentlich gar nicht. Seitdem Sofie weg ist, trauere ich um sie. Ich bin einsam und allein. Es ist doch egal was ich tue oder lasse, es ist in deinen Augen doch sowie so gleich. Du suchst und brauchst stets einen Grund um mich wieder zu schlagen und zu peinigen, damit du deinen Zorn und deine Wut abbauen kannst.«, platzte es aus Annabelle heraus. Kaum ausgesprochen bereute sie ihre Worte direkt. Die Angst stieg in ihr hoch. Wie konnte sie sowas nur sagen? Wieso konnte ise ihre Gedanken nicht für sich behalten? Sie sah regelrecht, wie die Wut in ihm hochbrodelte und sein Kopf immer mehr errötete. Allerdings nicht vor Scham.
Annabelle schluckte erneut, aber diesmal blieb ihr der Kloß im Halse stecken. Der Bär raste auf sie zu und schlug ihr ins Gesicht, dann gegen die Schultern, den Rücken. Er schlug und schlug, als würde er eine Trommel schlagen. Immer stärker, immer schneller. Doch irgendwann spürte sie nichts mehr, denn die Stellen die gerade noch vor den Schlägen zitterten, wurden nun taub. Und als sie anfing weiße Punkte zu sehen wusste sie, es ist gleich vorbei und sie lächelte.

Als sie wach wurde, konnte sie nur ihr linkes Auge öffnen. Auf dem rechten war ein unangenehmer Druck zu spüren. Sie wollte mit der Hand nachfühlen, aber allein den Arm zu heben tat unbeschreiblich weh. Aufrichten konnte sie sich auch nicht, ihr Rücken war wie betäubt und gleichzeitig unglaublich verspannt. Muskelkater überall und eine tiefe Schwere erfüllte sie. Sie seufzte. So schlimm wurde sie noch nie von ihrem Vater verprügelt. Aber bei dem was sie auch sagte, wunderte sie seine Reaktion überhaupt nicht. Eher, dass er sie nicht umgebracht hat.
Die beiden Kammerdienerinnen kamen in ihr Zimmer und zogen ihr die Bettdecke vom Leib und untersuchten unsanft Annabelles Verletzungen. Danach verschwanden sie ohne Ton wieder aus ihrem Zimmer und ließen sie mit ihren Gedanken allein. Und Annabelle ging viel durch den Kopf.

Die zwei Wochen vergingen wie im Fluge, obwohl Annabelle mehr oder weniger bewegungsunfähig war. Sie konnte nur schwer mit Krücken laufen, denn sie hatte so starke Prellungen an den Beinen, dass diese lila und blau waren und jeder Schritt von großem Schmerz begleitet wurde.
Ihr Auge war ebenfalls noch dick und geschwollen, ihr schales Mundwerk zeichnete sich immer noch sehr an ihrem ganzen Körper ab.
Am "großen Abend" war sie alles andere als genesen, dass interessierte aber die beiden Kammerdienerinnen genau so wenig wie ihren Vater. Rasch und grob wurde sie umgezogen und für den anstehenden Besuch fein gemacht. Als Annabelle sich im Spiegel ansah war sie wie betäubt. Sie sah so aus, wie sie sich jahrelang fühlte. Geschändet und verletzt. Unglücklich.
Als die beiden stummen Frauen das Zimmer verlassen wollten, nahmen sie Annabelles Krücken mit.
»Moment, die brauche ich doch.«, rief sie den Frauen hinterher. Eine der beiden blieb stehen und das war das erste Mal, als sie sie sprechen hörte: »Heute Abend nicht.«

© Dia Nigrew/Claudia Wergin

Montag, 7. August 2017

Zuhause ist‘s am schönsten

Warum nach Malle, wenn es Zuhause am schönsten ist?
Deutschland ist alles andere als langweilig und trist.
Viele wissen nicht, dass wir hier so viel Schönes haben,
zum Beispiel im Norden die Matrosen und im Süden die Schwaben.

Haben in München das Oktoberfest, in Berlin das KaDeWe,
und außerdem die Nord-, Ost- und den Bodensee.
In Köln gibt’s den Dom, in Hamburg die Reeperbahn,
in Bremen, den Esel, den Hund, die Katze und den Hahn.

Schlösser in Dresden, an der Zugspitze Après Ski,

haben mit Goethe und Schiller die beste Poesie.
In Sachsen haben wir unsere eigene Schweiz,
mit ganz eigenem Charme und Reiz.

Dann gibt’s da noch den Jogi und unsere deutsche Elf,
ach ja und wir haben mitunter das beste Bier der Welt.
Deutschland du bist ein tolles und schönes Land,
mit deinen Ecken und Kanten ganz und gar charmant.



© Dia Nigrew/Claudia Wergin


Sonntag, 30. Juli 2017

Das Gedicht über Selbstliebe, -akzeptanz und Figurentrends

»Hast du dich schon mal gefragt, wie es wäre nicht über dein Gewicht nachzudenken?«
»Keine Ahnung, wie sich das anfühlen würde.« - aus "Embrace - Du bist schön"


Letztens traf Sofie den Harvey wieder,
noch genervt, war ihr sein Anblick zu bieder.
Ein halbes Jahr hat sie ihn nicht gesehen,
sie hat auch seither versucht ihn zu umgehen.
Doch wieder entdeckte er sie
und musterte sie erneut vom Haaransatz bis unters Knie.
Lächelte, winkte und ging auf sie zu,
»Lässt du es dir immer noch so schmecken? Puh!«
Sofie schluckte und ballte die Fäuste,
doch sagte ihr der Engel auf der Schulter: »Lass sein, das bereuste.«
Sofie schluckte und drehte sich um,
denn Harvey war ein Blender... oder einfach nur dumm.

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Ab wann sind wir schon dick und wann "normal"?
Und wann sind wir dürr oder einfach nur schmal?
»Wieso kann ich nicht so sein wie ich einfach bin?
Sind 63 kg, denn wirklich so schlimm?«
Sofie findet sich so selbst nicht mehr schön,
möchte sich nicht mehr im Spiegel ansehen.
Medien, Werbung und alle um uns herum,
sagen, wie wir aussehen sollen und kommandieren uns nur rum.
Wir streben nach einem Körperbild,
von dem wir denken, dass es unsere Gier nach Zufriedenheit stillt.
Wollen so perfekt sein, aber wo fängt das an?
Wenn Frau ohne schlechtes Gewissen nichts mehr essen kann?

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Einundneunzig Prozent aller deutschen Frauen,
möchten aus ihrer eigenen Haut abhauen.
Sie sind mit ihrem Körper unzufrieden,
haben sich alle schon mindestens fünfmal für eine Diät entschieden.
Dabei haben fünfundvierzig Prozent ein gesundes Gewicht
und brauchen gar keinen radikalen Futterverzicht.
Trotzdem trifft sie der Diätwahn mit voller Wucht,
Frauen betreffen neunzig Prozent der Bulimie und Magersucht.
1,8 Mrd. € werden in Deutschland im Jahr für Diätmittel ausgegeben,
die sollen helfen beim abnehmen und zufriedener zu leben.
In den USA werden jährlich vier Millionen Schönheits-OPS durchgeführt,
in Deutschland werden regelmäßig neunundvierzig Prozent vom Skalpell berührt.

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War das denn schon immer so?
Stimmten uns Spiegel und Waage schon immer traurig oder froh?
In den 40ern und 50ern galt Größe 40/42 als Bodymaß,
in den 60ern und 70ern hatte Model Twiggy mit 40 kg ihren Spaß.
Die 80er waren von Fitness und Sportlichkeit geprägt,
in der Supermodel-Ära, den 90ern, wurde das wieder abgesägt.
Groß, kurvig und weiblich musste man sein,
in den 2000ern war das aber nicht mehr so fein.
Schmale Hüfte, aber große Brüste,
OPs waren da hip, als ob das keiner wüsste.
Und nun stehen wir hier in den 2010ern,
mit den Chiasamen und Privatfitnesstrainern.
Jetzt ist es IN sehr (!) dünn zu sein,
aber wie lange wird das wohl noch so sein?

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Aber genug der Fakten, was ist mit dem Gefühl?
Schwarz oder weiß, Nacht oder Tag, warm oder kühl?
Wann warst du mit dir und deiner Haut das letzte Mal zufrieden?
Wann hat dir der Blick in den Spiegel mal nicht in die Selbstzweifel getrieben?
Wann hast du das letzte Mal ein Stück Schokolade genossen?
Ohne, dass dabei Tränen flossen?
Es ist alles immer nur ein Trend, dafür ist das Leben zu kurz,
was andere denken, tun oder wollen ist doch schnurz.
Du bist wichtig, du bist das was zählt,
ist doch egal wem dein Körper gefällt.
Solange DU glücklich bist, ist alles gut,
also sei wie du bist, nur Mut!



© Dia Nigrew/Claudia Wergin

Quelle: Zahlen und Fakten aus "Embrace - Du bist schön" & www.jolie.de "Schönheitsideale im Wandel der Zeit"

Freitag, 21. Juli 2017

Und ich drehe Pirouetten

Und ich sitze im Büro, habe den Arsch voll Arbeit,
hab einen platt gesessenen Hintern, sehne mich nach Freiheit.
Fange um sieben an und ich gehe um sieben nachhause,
mache jeden Tag Überstunden und keine Pause.

Keine Zeit für Sport, bin nur im Stress,
hab so viel zu tun, bin im Modus "Express".
Süßkram hilft mir oft beim runterkommen,
die einzige sinnvolle Investition aus meinem Mini-Einkommen.

Sofa, Netflix, Schoki und Wein,
das brauche ich, das muss sein.
Habe derzeit nur einen regelmäßigen Sozialkontakt,
und zwar mit Giovanni, der meine Pizzabrötchen backt.

Keine Lust und noch weniger Bock,
liege nur rum, gehe bald am Stock.
Kann mich nicht aufraffen, kann nichts tun,
da ist rumliegen und essen doch nur opportun.

Gucke morgens in den Spiegel und hasse was ich seh',
Augenringe, fett und weiß wie Schnee.
Bekomme Migräne von meinem Spiegelbild,
kann nicht arbeiten, wieder krank, Chef: fuchsteufelswild.

Habe Rücken-, Nacken-, Gliederschmerzen,
und eine undefinierbare Leere in meinem Herzen.
Steigt sie mir von der Brust in den Kopf,
und ich finde einfach nicht den Pausenknopf.

Alles zu viel, alles so schwer,
keiner versteht mich, ich kann nicht mehr.
Habe nur Idioten um mich herum,
bin genervt, sie sind alle so dumm.

Chef, Kollegen und Familie pampen mich nur an,
sehen die nicht, dass ich das nicht ertragen kann?
Ich bin froh, wenn sie mich alle in Ruhe lassen,
ich hasse Menschen, dass ich das sag' kann ich nicht fassen.

Bin unglücklich und das jeden Tag,
vielleicht der Grund warum mich keiner mag?
"Mach doch mal was, probier was neues aus!",
Aber wie? Ich bin arm wie eine Kirchenmaus!

Treffe keinen mehr, ziehe mich zurück,
bin einsam, versuche online mein Glück.
Ich verliere mich im Netz, werde zum "Smombie",
vergesse die echte Welt, bin ein Social-Media-Zombie.

So sitze ich mit Wein und Snacks auf dem Sofa,
gleichzeitig habe ich ein "Date" mit dem Lothar.
WhatsAppen stundenlang um die Wette,
da meint er, ohne Smiley, ich bin ne ganz Nette.

Schon gewusst, nett ist die kleine Schwester von "scheiße".
Der Grund, warum ich mir auf die Zunge beiße.
Wenn er nicht mehr will, soll er's doch sagen!
Ich bin wütend, könnte ihn erschlagen!

Sage ihm was ich denke, versteht nicht was ich meine,
lösche seine Nummer, bin wieder alleine.
Habe keine Lust mehr mit anderen zu reden,
Bildergebnis für pirouetten ballettnicht über Internet, nicht persönlich, ich meide jeden.

Habe schlecht Laune, bin unzufrieden,
morgen wieder arbeiten, Arbeitspläne schmieden.
Morgen wieder Idioten um mich herum,
abends dann Schoki, Netflix und anstatt Wein gibt's Rum.

Ich weiß ich drehe Pirouetten, drehe mich im Kreis,
stecke fest, bin auf dem falschen Gleis.
Aus dem einen resultiert das andere,
bin in meiner Endlosschleife meine eigene Gefangene.


© Dia Nigrew/Claudia Wergin



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